Engelsflug

Spionage, Kinopaläste, Varietés, Kokain … Während die Hauptstadt ihren Aufschwung feiert, hat sich Exkommissar Grenfeld in einem Dachatelier verschanzt. Er will seine Ruhe. Doch als Zeuge eines brutalen Mordes gerät er unaufhaltsam in einen Strudel von Ereignissen, die ihm alles abverlangen. Sein einziger Verbündeter scheint ein Straßenjunge zu sein. Mit ihm kriecht er durch unterirdische Tunnels und klettert über die Dächer der Stadt. Er ermittelt in Flüchtlingslagern, der ersten Moschee auf deutschem Boden und landet zuletzt im Zirkus - immer auf der Suche nach dem Täter.

Interview

Herr Dr. Baur, Ihr neuer Roman spielt wieder im Berlin der 20er Jahre. Was fasziniert Sie an Ort und Zeit?

Mich interessiert, was abseits des Mainstreams liegt. Mit den Goldenen Zwanzigern verbindet man Tanzpaläste und Saalschlachten. Doch da gibt es den Strichjungen „Jonny“, der auf dem Dachboden eines Versicherungspalastes vegetiert. Die junge Akrobatin aus Dagestan, die auf einem Seil bis zum Funkturm geht. Den Pazifisten Ibrahim, der die erste Moschee auf deutschem Boden bewacht. Und: den russischen Taxifahrer, einst Professor für Sprachwissenschaft. Sie alle wollen nur Eines: im Moloch der vier Millionen Stadt überleben.

Alles Außenseiter wie Ihr Ex-Kommissar Grenfeld?

Ja. Er verschanzt sich in einem Dachatelier hoch über der Friedrichstraße. So behält er den Überblick. Doch leider kann ich ihm keine Ruhe gönnen. Er gerät unaufhaltsam in einen Strudel von Ereignissen, die ihm alles abverlangen. Letztlich sogar eine Entscheidung von internationalem Interesse.

Wie recherchieren Sie?

Jeden Tag lese ich etwas aus den 20er Jahren: Illustrierte, Zeitungen, Romane. Hinter meinem Schreibtisch hängt der Pharus-Plan von 1927. Rechts daneben ein Plakat mit den ehemaligen Cafés und Ladengeschäften auf der Friedrichstraße. Wenn mein Ex-Kommissar aus dem Fenster schaut, muss ich schließlich wissen, was er zu sehen bekommt.


Bild: gemeinfrei, Wikicommons:
Clown René Rivel vom Fotografen Sasha Stone 1931 festgehalten.