Mord in Metropolis

Berlin 1925. Die Goldenen Zwanziger haben die Reichshauptstadt fest im Griff. Die Inflation ist überstanden und Berlin dient als Kulisse für den teuersten Stummfilm aller Zeiten: Fritz Langs »Metropolis«.

Doch Drohbriefe an die Hauptdarstellerin Brigitte Helm werfen ihre Schatten voraus. Kurze Zeit später wird eine tote Komparsin auf dem Gelände entdeckt. Exkommissar Robert Grenfeld ermittelt im Umfeld der Filmkulissen und taucht ein in die futuristische Großstadt.

Interview

Herr Dr. Baur, wie kamen Sie auf die Idee den Film Metropolis als Hintergrund für Ihren Krimi zu verwenden?

Ehrlich gesagt, Metropolis war Faszination auf den ersten Blick. Ich hatte den Film auf ARTE gesehen und war von den dunkel archaischen Bildern so beeindruckt, dass er mich nicht mehr losließ. Dann fing ich an zu recherchieren und fand heraus, dass die Entstehungsgeschichte dieses Films selbst ein gigantisches Abenteuer war: Der teuerste Film aller Zeiten, die Ufa kurz vor dem Bankrott und Fritz Lang dreht mit einer unerfahrenen 17jährigen Hauptdarstellerin, Brigitte Helm. Was würde passieren, dachte ich mir, wenn dieses Projekt durch Erpressung und Mord in Gefahr gerät?

Wie viel Geschichte steckt in Ihrem Krimi? Was ist Fiktion?

In manchen Dingen war ich sehr akribisch. Da musste jedes Detail stimmen. Oft war mein PC-Monitor geteilt: Auf der einen Seite mein Text, auf der anderen Seite ein historisches Foto, ein Zeitungsartikel oder ein Standbild des Films. Dann wiederum hatte ich große Lust, mit der Geschichte zu spielen und sie zu verändern.

Ihr Ex-Kommissar Grenfeld: eine interessante Figur, nur etwas aus der Spur geraten?

Ja, schon. Ein Abbild seiner Zeit. Die alte Ordnung hatte sich 1925 aufgelöst, man experimentierte, flüchtete sich in Exzesse und in den Rausch. Auch bei meinem Kommissar kommt so manches ins Wanken.

Muss er deshalb auf die Couch?

Er darf! Ich glaube, es tut ihm gut und er hat Glück mit dem Therapeuten. Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es ist seine Frau, die ihn dazu überreden muss und das ist doch wieder sehr modern.

Zurück zur Recherche. Welche Details mussten stimmen?

Das Polizeifest im Lunapark zum Beispiel, bei dem die Bevölkerung ihr kriminalistisches Talent erproben sollte. Das fiel wegen des schlechten Wetters aus und wurde auf den 13. September verschoben. So war es und so muss es auch im Roman sein. Bei den Dreharbeiten quälte sich Brigitte Helm mit der Roboterrüstung herum, Schauspielerkollegen warfen Kleingeld in die Sehschlitze. Zeitungsmeldungen über Brandstiftungen, Fememorde und Tötungsdelikte. Die Reiseschreibmaschine mit dem orangen Schriftzug Monica. Die Fliesen im Admiralsbad. Das Schachturnier des Emanuel Lasker im Hotel Metropol in Moskau. An solchen Details habe ich Freude, aber wie gesagt, an anderen Stellen werfe ich die Geschichte gern einmal über den Haufen.